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Mein Fahrrad

Manchmal erkennt man den Wert der Dinge erst im Nachhinein!
Als ich vor gut einem halben Jahr mit meinen Umzugskartons und meinem Bruder in den Niederlanden ankam, holte ich zu allererst den Schlüssel zu meiner Wohnung ab - und dann kaufte ich mir ein Fahrrad, noch bevor ich mich im Bürgerbüro der Stadt Utrecht anmeldete. Dieses Fahrrad besitzt einen robusten Rahmen und hat im Vergleich zu anderen seiner Spezies noch relativ wenig Rost angesetzt. Es hat einen Gepäckträger, eine elektrische Beleuchtung mit Batterien und drei Gänge; völlig ausreichend in einem Land, wo die Stadtführer einen Anstieg von einem halben Prozent bereits als Hügel bezeichnen. In dunklen Farbtönen gehalten wird es von einem grünen Schloß geziert, welches nicht nur das Wiederfinden in einem Wald von Zweirädern erleichtert, sondern mindestens einmal einen ungewollten Wechsel seines Besitzers verhinderte. Es hat darunter sehr gelitten und so ließ es sich am vergangenen Wochenende plötzlich nicht mehr richtig schließen. Durch den Fahrplan der Bahn in Zeitnot geratend, schloß ich mein Fahrrad also kurzerhand mit dem Zweirad für Gäste zusammen, welches ich die meiste Zeit über am Bahnhof parke: ein fataler Fehler, denn das hässlich pinke Schloß konnte der Gewalt eines neuen Liebhaber meines Fahrrades nicht standhalten!
Heute Morgen suchte ich also vergebens mein Fahrrad. Wie oft hat es mich sicher und schnell durch eine niederländische Regenschauer getragen, welche Orte haben wir nicht zusammen erkundet und bereist. Damals, als ich es beim erstbesten Händler kennen lernte, dachte ich, ein ganz normales Zweirad unter vielen vor mir zu haben; vergeblich habe ich heute versucht, ein solches zu finden. Nun erkenne ich, dass mein Fahrrad wirklich etwas ganz besonderes war. Doch nun ist es weg und irgendein Depp tritt brutal in seine Pedale, während er rücksichtslos durch Utrecht fährt. Da hilft auch die anscheinend bekannte Aussage nur wenig, dass der Besitz eines Fahrrades in Utrecht nur ein temporäres Vergnügen ist.

(09.12.2013)





Suite für verstimmtes Klavier und Blattsäge

Zum Abriß des Kolpingheims der Kirchengemeinde St. Margareta in Düsseldorf-Gerresheim schrieb Thomas F. die Suite für verstimmtes Klavier und Blattsäge. Die unter dem Titel Performance08 erschienene Ausgabe beginnt mit den Regieanweisungen:

Klavier mit Stuhl
Notenständer mit Stuhl, daran der Geigenbogen
Noten liegen aufgeschlagen
Auftritt der beiden Spieler mit der gemeinsam getragenen Blattsäge
Stimmen der Säge

Es folgt der 1. Satz (Allemande).

2. Satz
Die französische Courante ist ein Tanz im gemäßigten 3/2-Takt. Die beiden Spieler sollten dementsprechend tänzerisch mit der Säge einige nicht so wesentliche Teile des Klaviers absägen, beispielsweise Teile der äußeren Verkleidung oder den Deckel. Sägen sie einmal nicht gemeinsam, kann der freie Spieler die Noten umblättern.

Es folgt der 3. Satz (Sarabande).

4. Satz
Die Gigue ist ein Tanz im schnellen Dreiertakt, oft mit Intervallsprüngen in der Melodie, die die energischen Tanzschritte andeuten, und ist immer der letzte Tanz einer Suite.
Dementsprechend wird das Klavier nun zersägt. Dabei sollte so lange wie irgend möglich mit einer oder vielleicht auch beiden Händen darauf noch improvisiert werden. Dazu im Folgenden Anregungen.

(...)

Nach Beenden des Werkes angemessene und würdevolle Stille bewahren und mit einer tiefen Verneigung beider Spieler zum Publikum abschließen.

(14.06.2008)

Nach Aufführung der Suite





Ich glaube an Gott

Gott - ist das nicht der alte Mann mit dem langen, weißen Bart, der auf einer Wolke in seinem Thron sitzt und über uns wacht!?
Diese Vorstellung kann in der heutigen Zeit wohl nur belächelt werden. Allenfalls kann ein solcher Glaube der Phantasie eines Kindes entspringen, ein erwachsener und gebildeter Mensch weiß, dass dieses Bild falsch ist.

Und doch: dieses Bild zeichnet eine einfache Antwort auf die Frage nach dem Sein Gottes auf, bejaht die in heutiger Zeit doch so häufig angezweifelte Existenz Gottes.
Aber was steckt nun dahinter - hinter Gott?

Einig ist man sich über die Transzendenz Gottes; er - oder sollte man lieber sie oder es sagen - übersteigt bei Weitem das Erfassungsvermögen unseres menschlichen Geistes. Was ist denn dieser Geist?

Ich möchte versuchen, eine Antwort zu geben - eine Antwort unter Berücksichtigung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis - eine Antwort auf die Frage der Fragen:
Woher kommen wir. Wohin gehen Wir. Was sollen wir hier.

Gott: die Macht, die unsere Sinne übersteigt. Das Prinzip am Anfang der Welt, ja gar selbst Anfang und Ende der Welt, unseres ganzen Seins, ja sogar Anfang und Ende der Zeiten.
Gott: das ist kein Lückenbüßer für offene Fragen in den Naturwissenschaften. Er ist auch nicht das Resultat der Unschärferelation oder des quantenmechanischen Zufalls. Nein - Gott, das ist Ursprung und Quelle allen Seins. Das Sein ist in Gott und nicht anders herum. Nicht Gott ist Teil des Universums sondern das Universum ist göttliches Werk und Teil seiner Schöpfung.
Gott: das Prinzip unseres Gewissens. Die Liebe unter den Menschen. Und das Leiden? Der Tod?

Die moderne Physik besteht aus naturwissenschaftlichen Modellen der Realität. Diese Modelle sind keinesfalls vollständig (vgl. Quantenmechanik / Allgemeine Relativitätstheorie) und es darf sogar die Existenz einer vollständigen, alles umfassenden Theorie bezweifelt werden. Wie kann schließlich der Mensch als Teil einer solchen Theorie diese selbst erfassen? Wie könnte der Mensch die Unendlichkeit des Weltalls begreifen? Alles, was zur Beschreibung von Wirklichkeit und daraus resultierender Gewinnung von Erkenntnis somit zur Verfügung steht, sind Theorien; Theorien, welche nicht einmal bewiesen sind: sie wurden nur bislang nicht widerlegt. Wie sieht dann aber die Wirklichkeit aus?
Unsere Realität ist das, was wir wahrnehmen. Ein Traum kann uns genauso real erscheinen wie ein Tisch. Die Wirklichkeit aber ist alles, was ist. Warum sollte es da nicht einen Gott geben, welcher alles geschaffen hat? Einen Gott, welcher die Naturgesetze erschuf, damit wir leben können. Einen Gott, welcher das Leben schuf.
"Warum" werden einige fragen, "tat er dies?" Eine Frage, mit welcher Gott zu verstehen versucht wird. Aber Gott entzieht sich unerer Vorstellungskraft. Nun wird es viele geben, denen dies nicht reicht. Alles Zufall! Warum sollte es denn einen Gott geben?
Alles Zufall. Das Leben entstand durch Zufall, auf einem kleinen Planeten, am Rande des Universums. Der Mensch entstand durch Evolution, er lernte das Denken durch dieselbe. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion definiert ihn nun. Alles Zufall, also entstanden aus lebloser Materie. Setzt man leblose Materie in der richtigen Art und Weise, unter den richtigen Bedingungen zusammen, so entsteht Leben. Somit dürfte auch gewiss sein, dass in einem unendlichen Universum wir nicht alleine sind?
Da alles Leben aus Materie konstruiert ist, ist der Geist, das Bewusstsein, auch Teil dieser Materie. Kopiere ich einen Menschen auf der subatomaren Ebene der Wirklichkeit, erzeuge ich ein Abbild, welches selbst in den unbedeutendsten Quantenzahlen mit dem Original überein stimmt, so habe ich eine Kopie erschaffen, einen exakt gleichen Menschen, mit gleichen Gedanken, mit gleicher Seele.
Der Tod. Der Körper zerfällt, die Materie verlässt die lebensspendende Konstellation. Der Mensch vergeht, die Seele, das Bewusstsein, alles vergeht.
Und unser Leben? Sinnlos in einem Haufen von Materie.
Woher kommt die Materie? Warum gab es einen Urknall? Was war vor dem Zeitpunkt Null?
Als Gott die Zeit erschuf tat er dies nicht, um selbst vergänglich in ihr zu leben. Er wollte den Menschen schaffen. So schuf er Naturgesetze, in welchen der Mensch leben kann. Er erschuf die Zeit, um den Menschen vergehen zu lassen, um ihn streben zu lassen; dies definiert ihn und treibt ihn an. Der Sinn? Gott wird einen haben. Welche Antworten haben Krebszellen im Labor auf die selbe Frage, ihren Zustand betreffend?
Der Mensch: Ebenbild Gottes. Deus caritas est. (Lat.: Gott ist die Liebe.) Der Mensch ist nichts ohne Liebe. Und dies ist das Wesen Gottes. So wie die Krebszellen im Labor eine Aufgabe haben, so wie die Bienen eine Aufgabe haben, so hat jeder von uns seine Aufgabe in dieser Welt - in seinem Leben. Jeder hat Fähigkeiten, welche zu nutzen Erfüllung bringen. Wenn wir darauf vertrauen und dies Glauben, wovor müssen wir uns noch fürchten? Vor dem Tod?
Jesus: er starb am Kreuz - für uns. Er erstand von den Toten, er hat den Tod ein für allemal besiegt. Er hat uns erlöst - und das nicht erst im Tod. Er erlöste uns auch von der Angst und den Zweifeln in unserem Leben. Er zeigte den Menschen ihre größte Angst auf - und dass diese nichtig ist. Wer mir nachfolgt, der hat das ewige Leben.
Ewiges Leben somit als freier Mensch, frei von Ängsten und Sorgen, frei von Zwängen. Was zählt Besitz, wenn es Liebe gibt? Was zählt ein großes Haus, wenn man an einem herrlichen Sonnentag durch duftende Wiesen spazieren darf? Was zählt die Hektik im Alltag, wenn ein Lächeln - ein kleines Lächeln - ein kleines Wort einen glücklich machen kann?

Ich habe lange nachgedacht, und ich bin mir sicher: Credo!


(ca. 2006, überarbeitet am 28.12.2011)





Der Sinn des Lebens

Was wir sind

Wir sind Reisende im Meer der Zeit. Dort treffen wir auf Mitmenschen, die uns begegnen. Manche begleiten uns ein kleines Stück, wenige auch über lange Strecken. Genauso wie andere Menschen uns begleiten sind wir auch Begleiter für Andere. Wir begleiten uns gegenseitig auf dem holprigen Weg durchs Leben.

Was wir brauchen

Was wir brauchen sind Zuneigung, Liebe, Achtung, Treue, Aufmerksamkeit und weitere Eigenschaften, die sich Menschen gegenseitig geben. Dabei nehmen wir uns das, was wir brauchen, von Anderen. Genauso geben wir den Anderen, was sie von uns brauchen, indem wir offen mit Anderen umgehen und immer wieder neue Kontakte knüpfen.
Oft bekommen wir verschiedene Dinge von verschiedenen Begleitern. So gibt der Eine uns Anerkennung, der Andere Liebe, wieder ein Anderer kann mich gut zum Lachen bringen.
Oft treffen wir neue Begleiter und trennen uns von bekannten. Diese verlieren wir aus den Augen, vielleicht treffen wir sie irgendwann einmal wieder. Jeder geht dann seinen eigenen Weg, auf dem er neue Begleiter findet und sich von diesen holt, was er braucht.

Warum wir unterwegs sind

Jeder Mensch hat auf dem Weg des Lebens seine eigene, persönliche Bestimmung. Diese zu finden ist ein wichtiges Ziel unseres Lebensweges. Außerdem sollen wir auf unserem Weg durch das Meer der Zeit lernen. Wir erleben schöne Augenblicke, welche unseren Weg säumen und für uns die Nahrung des Weges sind. Wir sind aber auch unterwegs, weil wir für die Anderen wichtig sind. Wir müssen Menschen begleiten und ihnen das geben, was sie brauchen.

Der Sinn

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Sinn für das Leben zu nennen. Wir müssen Anderen helfen, müssen unseren Kindern eine gute Erde hinterlassen, einen Weg bereiten, den zu begehen sich lohnt. Der Eine findet seine Bestimmung somit in der Politik, großes zwischen Völkern zu bewegen, der Andere erkundet seine Umgebung und sucht nach neuen Gesetzmäßigkeiten, um den Lebensweg angenehmer zu gestalten und zu verbessern. Andere wiederum beschäftigen sich mit der Versorgung ihrer Mitmenschen, mit dem was diese benötigen. Sie liefern Nahrung für Körper und Seele. So hat jeder seinen speziellen Platz im Meer der Zeit.


(um den 30.05.2003)





Die "Lücke" Gottes in der naturwissenschaftlichen Weltansicht

In den heutigen Naturwissenschaften läßt sich alles berechnen. Jeder noch so kleine Quantensprung kann - für sich betrachtet - voraus bestimmt werden. Er muss nur unter optimalen Bedingungen, d.h. ohne äußere Einwirkung, vonstatten gehen.
Der aktuelle Standpunkt der Naturwissenschaften besagt nun, dass sich unsere bekannte Welt ausschließlich aus Materie und Antimaterie zusammensetzt. Es lassen sich also alle Vorgänge auf Reaktionen in der Materie zurückführen, welche im einzelnen berechenbar sind.
Wenn es nun möglich wäre, alle Materie in einem Modell darzustellen und alle Reaktionen im kleinsten unter der Berücksichtigung aller Einflüsse zu berechnen, so erhielte man exakte Voraussagen über unsere Welt: es wäre alles zu berechnen.
Da wir Menschen auch nur ein Teil der Welt sind und ebenso wie der Rest der Natur aus Materie bestehen, müsste man die obigen Aussagen ausnahmslos auch auf den Menschen anwenden. Das hieße aber, dass alles Tun und Handeln, alle Reaktionen und Entscheidungen voraus zu bestimmen wären. Wir wären also nichts als Marionetten in einem großen Spiel, unfähig eigene Entscheidungen zu treffen. Unsere Entscheidungsfreiheit wäre uns nur von der Natur vorgegaukelt, in Wirklichkeit wäre unser Lebensweg von Anfang an vorausbestimmt. Unser Verstand nichts als Einbildung.
Diese Erkenntnis aber ist vor uns selber untragbar.
Da wir nun aber zu Berechnungen an der Materie in der Lage sind, muss also die gesamte naturwissenschaftliche Weltansicht entweder falsch oder unvollständig sein. Ersteres kann vorerst mit gutem Gewissen ausgeschlossen werden, da die bisher gewonnen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sich sehr wohl bewährt haben. Ein vernichtendes Urteil hierüber wäre demnach genauso untragbar wie die Erkenntnis unseres "Marionettenlebens".
Es klafft also eine Lücke in der naturwissenschaflichen Weltansicht, welche zu schliessen Ziel unseres Verstandes ist, welcher aber mit genau dieser "Lücke" erklärbar sein muss.
Man könnte nun meinen, es sei unangemessen, Gott in diese Lücke zu setzen. Aber ist es nicht so, dass Gott auch zuerst dagewesen sein könnte und die dort gebliebene Lücke dann mit der naturwissenschaflichen Weltansicht der heutigen Zeit gefüllt wurde? Die Frage ist auch, ob diese Lücke wirklich zu klein für Gott ist. Auf Ihr baut schließlich alles auf: unser Bewusstsein, unsere Entscheidungsfreiheit, Gefühle wie Liebe, Hass und Freude, die Menschlichkeit und schließlich auch die Herkunft dessen, was die mit Gott zu füllende Lücke umschliesst.

Was dieser Text keinenfalls beabsichtigt, ist der Versuch einer Definition Gottes oder eine Eingrenzung desselben. Er soll vielmehr zeigen, dass auch in einem wissenschaftlichen, rein logischen Weltbild, immer Platz für einen Gott ist.


Ostersonntag, 20. April 2003 (nach einer Vorlage vom 19.04.2003)

 
© A. Härtel (2014)